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Überwinterung von pflegebedürftigen Igeln


(in Anlehnung an einen Artikel von Dr. M. Schicht-Tinbergen)


Igelsind Wildtiere und stehen somit, wie alle anderen Wildtiere auch, unter Naturschutz.  Als Regel gilt: Igel sollten in ihrem Revier bleiben dürfen. Es ist falsch verstandene Tierliebe, sie zu sich ins warme Haus zu holen, um sie dort zu pflegen. Wenn Sie also in den Herbstmonaten, bei normalem Witterungsverlauf (schneefrei, milde Temperaturen, Nahrungsangebot für Igel noch ausreichend vorhanden) (Jung)-Igel im Garten finden, so können Sie sie gerne draußen zufüttern, aber nur in den seltensten Fällen - bei offensichtlichen Krankheiten, frischen Wunden oder bei extremem Parasitenbefall - ist es für den Igel förderlich, aus seinem Revier entfernt oder ins Haus geholt zu werden. Ein zu frühes Eingreifen in die Natur ohne Sachkenntnisse ist nicht hilfreich.

Untergewichtige Tiere erkennt man an einer Einbuchtung hinter dem Kopf, der sogenannten "Hungerlinie". Kranke Igel sind apathisch und rollen sich bei Berührung nicht zusammen, ihre Augen sind eingefallen und schlitzförmig. Sie sollten im November mindestens 500 g wiegen. 
Während untergewichtigen Igeln mit Unterkunft, Nahrung und Winterschlaf in menschlicher Obhut nach dem Aufpäppeln unter bestimmten Voraussetzungen (siehe unten) geholfen werden kann, benötigen kranke und verletzte Igel dringend fachmännische Hilfe.  
Wenn Sie diese Voraussetzungen (siehe unten) selber nicht erfüllen können, dann erst Hilfe oder Beratung einholen, bevor Sie den  Igel aus der Natur entnehmen. 
 
Kontaktdaten / Hilfsstellen:

24-Stunden-Hotline
08 38 2/ 30 21 (Pro Igel e.V.)  beraten werden.

Igelhilfe in unserem Gebiet:
Naturschutzbund Leipzig (BUND): Laura Freier Büro: 0341/ 3 06 53 95 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Facebook: Hilfe für Igel in und um Leipzig

Jagd- und Naturschutzbehörde: 0341/ 1230   - verletzte Wildtiere

Igelfreunde Leipzig und Umgebung e.V.
Tel. 0341/9413901 oder 0341/4247662

Igelfreunde Sachsen-Anhalt e.V.
Tel. 03491/612776
Lutherstadt Wittenberg

Jeder Igel, der aufgenommen werden muss, sollte zunächst tierärztlich untersucht werden. Einerseits werden Krankheiten behandelt, die unter Umständen zum Tod des Tieres führen können, andererseits ist der Tierarzt jederzeit zu fachlich kompetenter Beratung zur Igelhaltung bereit. Wichtige behandlungswürdige Erkrankungen sind:

- Flohbefall
- Wurmbefall
- Durchfall
- Atemwegsinfekte mit Husten, verklebten Augen usw.

Wie sollten pflegebedürftige Igel gehalten werden?
Die Unterbringung sollte in einem Raum mit 18-20°C Raumtemperatur erfolgen. Es wird ein Schlafhaus benötigt, am Boden gut isoliert, mit reichlich zerknülltem Papier ausgelegt und mit einem Schlupfloch versehen. Das Gehege drumherum sollte 2 m² betragen; die Seitenwände sollten etwa 50 cm hoch, glatt und senkrecht aufgestellt sein, um Kletterunfälle zu vermeiden (z.B. Spanplatten). Der Auslauf wird mit Papier ausgelegt. Die meisten Igel richten einen Kotplatz ein; mit reichlich Zeitung versehen, läßt er sich problemlos reinigen. Eine Katzentoilette mit Papier ist ebenfalls geeignet.

Wie müssen die Igel gefüttert werden?
- Dosen- und Trockenfutter für Hunde oder Katzen
- milder Schnittkäse
- Quark
- Eier gekocht oder als Rührei
- süßes, weiches Obst
- Rosinen
- geschälte Nüsse (bitte auf Verschimmelung achten, diese aussortieren)
- grätenfreier Fisch, roh oder gekocht
- kleingeschnittenes, mageres Fleisch vom Pferd und Rind, roh oder gekocht bzw. vom Schwein, gekocht
- gekochte Hühnerflügel (beugt Zahnsteinbildung vor)

Zusätzlich wird die Nahrung mit Pflanzenöl angereichert, was einem Stachelausfall vorbeugt (bis zu 1/4 Teelöffel täglich). Beim wachsenden Tier sind täglich Mineral- und Vitamingaben erforderlich (beim Tierarzt erhältlich). Der Flüssigkeitsbedarf wird durch Wasser oder Tee gedeckt. Kuhmilch führt zu schweren Durchfällen! Der Kot beim richtig ernährten Igel ist geformt und walzenförmig und meist grünbräunlich gefärbt.

Bis zu welchem Gewicht sollten Igel gefüttert werden?
Wenn ein zufriedenstellendes Gewicht von 600-700 g bei Jungigeln und 800-1000 g bei erwachsenen Tieren erreicht wird und ein Aussetzen aufgrund der Jahreszeit nicht mehr möglich ist, empfiehlt es sich, den Pflegling zum Schlafen zu bringen. Die Unterbringung sollte möglichst bei Außentemperaturen (Balkon, Schuppen, Terrasse) erfolgen. Als Winterschlafhaus ist eine zweigeteilte Holzkiste geeignet. Besonders wichtig ist eine gute Isolierung nach unten und ein ausreichender Schutz vor Regen, Schnee und Wind. Der größere Schlafbereich wird mit reichlich Nestbaumaterial gefüllt (Heu, Moos, Laub, Papier). Im vorderen Teil wird länger haltbares Futter (Käse, Rosinen, Katzentrockenfutter, Nüsse) und Trinkwasser hingestellt. Bei Temperaturen unter 0°C schläft der Igel nach einigen Tagen, trotzdem sollte jeden 2. Tag kontrolliert werden, ob Futter und Wasser nachgefüllt werden muß.

Wann müssen Igel wieder ausgesetzt werden?
Nach dem Aufwachen aus dem Winterschlaf sollte zunächst versucht werden, den entstandenen Gewichtsverlust (etwa 25 %) wieder auszugleichen. Je nach Lage und klimatischen Verhältnissen und dem daraus folgenden Nahrungsangebot wird der Igel ab Ende April bis spätestens Mitte Mai wieder ausgesetzt. Das gilt auch für im Haus gehaltene Igel, die keine Winterruhe bekommen konnten. Nach Möglichkeit sollte noch einige Zeit im Freien zugefüttert werden.
Der Igel sollte nicht in der Nähe von Gefahrenquellen (Baustellen, Hauptstraßen, Swimmingpool, gedüngte Flächen, jagdlustige Hunde) ausgesetzt werden, sondern dorthin wo sich Gestrüpp, Reisig und Laub befindet. Dort ist ausreichend Nahrung und Material zum Bau von Sommer- und Winterschlafplätzen vorhanden.

Zum Abschluß noch folgende Bitte: einen Igel fachgerecht zu überwintern benötigt viel Zeit, macht entsprechend Arbeit und kostet auch etwas Geld. Eine halbherzige Aufnahme schadet dem Igel, dann wäre es besser, das Tier in einer Igelstation abzugeben, wo er in dem Falle bessere Überlebenschancen bekommt.

 

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